Wie Hasso Träume schweißt


Stahlharte Auftragskunst

Wie Hasso Träume schweißt

Stahlharte Auftragskunst

Stahl, Staub und Sägelärm: So sieht der Alltag des Handwerkskünstlers Hasso Maaß aus. Vor 10 Jahren hat er sich in einer alten Lagerhalle am Rande von Münster seinen Traum erfüllt und erweckt mit seinem Talent Metall zum Leben.
Hasso Münster

Hasso Münster

Hasso Münster

Objektkunst in Lebensgröße
In einem tristen Industriegebiet in Münster Gremmendorf überrascht eine 250 m² große Halle mit einer Mischung aus Kuriositäten-Museum, Werkstatt und Event-Wohnzimmer. Riesige Palmen stehen neben alten Zapfsäulen, der Eingang begrüßt die Gäste mit einer Theke, die aus einem durchgeschnittenen Pick-up-Truck besteht, und ein Blick nach oben lässt Hassos Besucher verwundern: An Eisenketten befestigt hängt eine 3 Meter große babyblaue E-Gitarre von der Decke, daneben ein weißes, lebensgroßes Kunststoff-Pferd, ein Kanu und Reste einer Propellermaschine. Wahllos zusammengewürfelt hat Stahl-Ikone Hasso Maaß diese Objekte allerdings nicht. „Einerseits hängt hier lauter komisches Zeug, weil ich es hier natürlich schön haben will. Andererseits sind diese Objekte ein Pool, an dem ich mich dann bedienen kann. Wenn ich die Zapfsäule für ein Projekt benötige, steht da danach dann halt was Neues“, erklärt er. Als Metall- und Objektkünstler erschafft er außergewöhnliche Gegenstände aus verschiedenen Materialien. Das darf auch ein Mix aus Metall, Holz und Leder sein: Grenzen kennt das Allroundtalent fast keine. Die Kunden, die zu ihm kommen, bringen meist schon die außergewöhnlichen Ideen mit oder schlagen ein Thema vor. „Die andere Hälfte der Pickup-Theke befindet sich zum Beispiel in Amsterdam. Das war ein verrückter Auftrag, ich habe aus den Staaten diesen Chevrolet mit Motorschaden aus dem Jahr 1954 einfliegen lassen und in der Mitte durchgesägt“, grinst er. Vor 10 Jahren ergatterte der Künstler nach zwei Jahren Suche die alte Lagerhalle von einem Bauunternehmer und holte das Beste aus der tristen Immobilie heraus: Eine zweite Ebene, die wie eine Art Balkon über der Halle thront, und eine Dachkuppel aus Glas, die für Tageslicht sorgt, wurden kurzerhand eingebaut. Während auf der zweiten Ebene genügend Platz für Veranstaltungen wie Hochzeiten und Geburtstage ist, hat sich Hasso im unteren Bereich einen Arbeitsplatz geschaffen, von dem so manch ein Hobbyhandwerker nur träumt: riesige Gerätschaften für Stahl- und Metallbearbeitung und allerlei Werkzeug von A bis Z. Hier herrscht kreatives Chaos, in dem Hasso jedes einzelne seiner Stücke kennt. Weil es hier schon zu eng wird, lagern größere Flugzeug- und Schiffsteile in einer separaten Halle auf der anderen Straßenseite.

Lebenskünstler auf Umwegen
In Wiesbaden geboren, trieb es den jungen Hasso mit 18 Jahren nach Münster. Zuvor absolvierte er eine Ausbildung als Sattler und beschäftigte sich früh mit Leder und Stoffen, seine ersten Handwerksjahre verbrachte er on tour. Nur mit einer Nähmaschine gewappnet, tourte er mit Freunden deutschlandweit über Musikfestivals, um verrückte Outfits aus Leder zu nähen. Von der Stadt Münster begeistert, blieb er hier hängen und machte sich am Hansaring mit seinem ersten Laden selbstständig. Im sogenannten „Unart“ wurde ausgefallene Lederbekleidung hergestellt, und das mehr als erfolgreich. Hasso und sein Team fertigten Bandoutfits für In Extremo, Westernhagen, Udo Lindenberg und Rammstein an. Auch er selbst sieht nicht umsonst aus wie eine Mischung aus Rocker und Handwerker, sondern er ist es auch. Hasso konnte seine eigene Leidenschaft für Musik schon damals mit seinem Talent für ausgefallene Handwerksprodukte verbinden. Bis heute ist er trotz seines vollen Terminkalenders der Musik treu geblieben und spielt in seiner Freizeit in verschiedenen Bands. Während seiner Zeit am Hansaring baute er sich bereits ein altes Industriehaus am Kanal um, mit dem Ziel, darin zu wohnen. „Mein damaliger Nachbar hat da viel mit Metall gemacht. Irgendwann habe ich aus Spaß dort ab und zu geschweißt und das hat mich immer mehr fasziniert – und gleichzeitig habe ich das Interesse am Ledernähen verloren“, schwelgt Hasso in der Vergangenheit. In den neuen Materialien fand der Autodidakt seine wahre Leidenschaft und eine Möglichkeit, sein Hobby zum Beruf zu machen. Mit viel Glück und Geduld fanden er und seine Frau Inka durch Bekannte in Münster ihre Traumhalle. Denn hier wird nicht nur schwer gearbeitet, sondern auch gewohnt und gelebt. „So etwas findet man heutzutage wahrscheinlich gar nicht mehr. An die Halle ist unser Einfamilienhaus angeschlossen, das war damals wirklich ein Rundum-sorglos-Paket“, freut sich der Künstler. Die Halle verlassen möchte er niemals. „Leute fragen mich wirklich, wie lange ich das noch machen möchte. Ich verstehe die Frage nicht! Ja, das ist mein Hobby und meine Arbeit, aber das ist auch mein ganzes Leben. Ich bin mir jeden Tag darüber bewusst, wie viel Glück ich habe, das zu tun, was ich liebe“, erklärt Hasso ernst.

Kultige Kunst und Kultur
Die Lagerhalle wird mehr als vielseitig genutzt und besitzt neben einem selbstgebauten Holz-Baumhaus, welches Hasso als Büro dient, eine integrierte Bühne für seine eigene Musik, aber auch für Konzerte und Veranstaltungen. Doch hier wurde nicht einfach eine Bühne aufgebaut. Hasso wäre nicht er, wenn es nicht speziell geworden wäre. „Die Halle war zu klein. Wir haben also ein Loch in die Wand gemacht, die Bühne in der Wand versenkt und draußen die Mauer drumherum gebaut.
Was nicht passt, wird passend gemacht“, lacht er und zeigt von der Balkonebene auf die liebevoll mit Teppichen und Pflanzengirlanden geschmückte Bühne, auf der er seine unzähligen Gitarrenschätze präsentiert. Hier finden Bandproben und Musikevents statt. Hasso möchte seine Halle noch vielseitiger anbieten und plant in Zukunft kulturelle Events und Kleinkunst-Ausstellungen. Für ihn steht dabei nicht der Erfolg oder finanzieller Gewinn im Mittelpunkt, sondern ein Treffpunkt für Kunstschaffende und Interessierte zu sein. „Ich mache immer das, was mich gerade interessiert und wo ich Bock drauf habe. Ob es dann nachher erfolgreich ist, ist eine andere Sache“, erklärt er. Für Hochzeiten und private Events sei er wegen der ganz besonderen Atmosphäre der Halle schon für die nächsten Jahre ausgebucht. Für die geplanten Neuerungen hat er sich digitale Hilfe ins Boot geholt. Denn Hasso ist eigentlich ein wahrer Eigenbrötler, was sein Handwerk angeht. Könnte man meinen, hinter den oftmals metergroßen Kunstwerken stecke ein mehrköpfiges Team, besteht dieses aus Hasso und gerade mal einem Angestellten. „Ich könnte einige Leute anstellen, um mehr Projekte anzunehmen. Aber ich will das einfach nicht. Ich mach mein Zeug lieber alleine“, grinst er. Digitale Unterstützung ist jedoch trotzdem willkommen, denn ohne Instagram & Co sind auch einer Stahl-Ikone wie Hasso Grenzen gesetzt. „Ich zerlege im Schlaf meine Motorsäge und baue sie wieder zusammen, aber selbst mein Handy ist für mich schon ein Mysterium. Auf digitalen Kram habe ich einfach keine Lust“, offenbart er und freut sich über die neue Unterstützung. Einmal am Tag ist er trotzdem gezwungen, sich für Material- und Objektsuche an den Rechner zu setzen. „Ich stehe da überhaupt nicht drauf. Aber irgendwo muss ich das ganze neue Zeug ja suchen. Und das Internet ist neben dem Schrottplatz der beste Ort dafür“, erklärt er.

Schätze vom Schrottplatz
Vor unserem Besuch war er noch schnell auf dem Schrottplatz, seine tägliche Schatzsuch-Routine – eine willkommene Abwechslung zur vorherigen Computerarbeit. Durch seine Leidenschaft für Secondhand und Upcycling erhält so mancher Schrottgegenstand ein schillerndes, neues Leben. „Bei manchen Gegenständen weiß ich ehrlich gesagt selber nicht, was das vorher war. Wird trotzdem eingepackt und umfunktioniert“, sagt er und zeigt auf einen mannsgroßen Pflanzenkübel, der aussieht, als sei er im ersten Leben eine Maschine in einer Backhalle gewesen. Wiederverwertung ist nicht nur günstiger, sondern besonders alte Gegenstände haben es dem Künstler angetan. Sein heutiger Schatz vom Schrottplatz ist eine Madonnenstatue aus Rotguss, einer speziellen Kupferlegierung. Bezahlt wird auf dem Schrottplatz nach Kilopreisen. „Die ist ganz schön schwer. Billig war das nicht. Aber ich konnte sie nicht liegen lassen. Ob die wohl aus einer Kapelle stammt? So manch ein Tattoo-studio wäre jetzt wohl neidisch auf die schöne Deko“, lacht er.

Männer(t)räume im Großformat
Wer Hasso nicht durch seine Objektkunst in Münster kennt, hat ihn wahrscheinlich zwei Jahre lang im Fernsehen gesehen. Im Format „Männer(t)räume“ auf DMAX werkelte Hasso an der Seite von Max Beyer-Eynck (Gründer Kawentsmann) an außergewöhnlichen Projekten wie einer Männerhöhle im Schiffscontainer, einem Chill-out-Holzfloß in einem Telgter Privatsee oder einem BVB-Fanzimmer. Das Holz-Know-how des Zimmermeisters und Ingenieurs Max kombiniert mit den verrückten Ideen von Hasso war eine absolute Erfolgsserie. „Jeden einzelnen Nagel haben wir selbst ins Holz gehauen, jeden kleinsten Schritt geplant. Da steckte kein zehnköpfiges Team hinter, das das fertig gebaut hat, wenn wir weg waren“, erzählt Hasso stolz. Die Ausstrahlung habe ihm viele neue Kunden und Interessenten gebracht. Fortgeführt wird die Serie allerdings nicht. „Max und ich haben sechs Wochen an einer Folge gearbeitet und sind durch ganz Deutschland getourt. Dafür haben wir einfach nicht mehr die Zeit. Außerdem will ich kein Fernsehstar werden“, lacht er über das Ende der Show. Die kuriosen Projekte in der Lagerhalle des Lebenskünstlers nehmen ihn genug in Beschlag. Draußen auf dem Hof geht die Arbeit weiter, und ein alter Pferdeanhänger aus England wird mit viel Liebe zum Detail für einen Gastronomen in einen außergewöhnlichen Foodtrailer umgebaut. „Das soll besonders urig und natürlich einzigartig werden“, schwärmt Hasso und plant für die Arbeit am Pferdeanhänger sage und schreibe 23 Monate ein. Mit dem Kopf ist er nebenbei schon in den nächsten Projekten und spinnt an weiteren Ideen herum. Sein Büro-Baumhaus will er als Nächstes durch eine Hängebrücke unter der Hallendecke mit der zweiten Ebene verbinden. Das macht er dann nebenbei in seiner Freizeit. „Auf dem Sofa liegen ist nicht so meins. Wenn ich nicht arbeite, tüftle ich an privaten Projekten oder verliere mich in der Musik“, verrät er. Hasso hat sich ein Lebenswerk erschaffen, einen riesigen Abenteuerspielplatz aus unzähligen Materialien. „Mich erinnert das an mein Kinderzimmer, als ich elf Jahre alt war, nur jetzt in Überdimension.“
Der Artikel ist in der "Gewerbeimmobilie aktuell", Ausgabe 18 von März 2023, erschienen. Wir bedanken uns bei Hasso Maaß für den Artikel. Mehr Infos über Hassos Münster finden Sie auf der Website: www.hassos.eu/
Über verschiedene Materialien, wie Leder und Holz, in Verbindung mit einem großen Interesse, Dinge zu gestalten und zu entwerfen, führte Hassos Weg nach etlichen Jahren zum Material Metall.

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