MS Günther


Mehr als eine Millionengeschichte

MS Günther

Mehr als eine Millionengeschichte

Die Geschichte der MS Günther kennt man. 2015, der Gewinn bei „Wer wird Millionär?“, viel Aufmerksamkeit, ein Schiff, das plötzlich bundesweit Gesprächsthema war. Die MS Günther wurde zur Legende. Günther Jauch persönlich taufte das Schiff, das sich Schiffseigner und Millionen-Gewinner Leon Windscheid kaufte. Doch wer heute an Bord geht, merkt schnell: Diese Geschichte ist zwar Teil der DNA, doch das, was die MS Günther heute ausmacht, ist das, was darauf aufgebaut wurde.
Ms Günther Münster

Ms Günther Münster

Ms Günther Münster

Neuer Mann am Steuer
Wir treffen die MS Günther im Hier und Jetzt – allerdings nicht am Wasser, sondern mitten in Münster. In einem unschein­­­ba­ren Hinterhof an der Burgstraße liegen die Büroräume der Gute Gezeiten GmbH. Helle, atmosphärische Räume, Holz und Pflanzen prägen das Bild. Nur die Farbsprenkler im Boden erzählen noch von der Vergangenheit des Gebäudes als Druckerei. Von den Crewmitgliedern klingt ein freundliches „Moin“ durch den Raum. Es ist diese entspannte, fast familiäre Atmosphäre, die viel über das Miteinander verrät. Ein paar Stufen wei­ter oben öffnet sich das lichtdurchflutete Büro von Federico Stumps, das mit Couch und Sesseln zum Bleiben einlädt.

Der Blick fällt auf ein gut bestücktes Spirituosenregal. „Wir haben hier gestern noch bis spät in die Nacht Gins probiert“, erzählt er und lacht. Federico, alias Fedde, bringt seit einem Jahr einen neuen Blick auf das Traditionsschiff mit. Er hat das Steuer übernommen und ist Geschäftsführer der MS ­Günther. Ursprünglich war die Führung unter einer Doppelspitze geplant, doch es kam anders. Federico führt die MS Günther heute allein und räumt direkt mit einem der hartnäckig­sten Gerüchte auf: „Viele denken, die MS Günther wurde ­verkauft. Das war nie der Plan.“ Stattdessen: Weiterentwicklung, und zwar konsequent.

Dabei betont Federico, dass vieles von dem, was heute möglich ist, auf der Arbeit seiner beiden Vorgängerinnen aufbaut. Zunächst führte Nina Wewers das Unternehmen, später – mit einer kurzen Überschneidung – Tina Lake. Er weiß: „Die beiden haben die MS Günther strukturell und organisatorisch sehr stark aufgestellt. Dass wir heute neue Formate entwickeln und weiterdenken können, liegt auch daran, dass das Fundament bereits gelegt war.“

Das über 116 Jahre alte Schiff – älter als die Titanic, aber noch immer voll in Fahrt – wurde in den 1950ern vom Schlepper- zum Fahrgastschiff. Keine 60 Jahre später reiste das Schiff vom Ijsselmeer in den Münsteraner Hafen. Hinter dem Unternehmen stehen heute fast 50 Mitarbeitende, davon acht im Büro, vier Nautiker, die sich wöchentlich als Kapitän und Matrose abwechseln. Über 500 Eventfahrten im Jahr, mehr als 40.000 Gäste, über 100 Charterfahrten – Zahlen, die zeigen: Die MS Günther ist kein Ausflugsschiff im klassischen Sinn, sondern ein hochprofessioneller Veranstaltungsbetrieb.

Die Anker zu setzen, ist keine Option
Ein erfolgreiches Geschäft darf niemals träge machen. Fede­rico kennt diese Dynamiken aus seiner früheren Agentur­arbeit, in der er unter anderem Unternehmen strategisch b­eriet: „Wenn es gut läuft, machen viele Unternehmen den­ ­Fehler, zwei, drei Jahre nichts weiterzuentwickeln. Und dann merken sie plötzlich, dass es nicht mehr läuft. So weit darf man es nie kommen lassen.“ Dieser Gedanke prägt die ­Arbeit des Münsteraners. Stillstand kommt für ihn nicht infrage. Des­halb stellte Federico nach seinem Start als Geschäftsführer der MS Günther erst einmal die grundlegende Frage: Wofür stehen wir eigentlich? Die Antwort der Crew lautete zunächst: „Wir wollen unvergessliche Events kreieren.“ Doch dabei blieb es nicht. Gemeinsam mit seinem Team schärfte Federico das Leitbild weiter und merkte schnell, dass es um mehr geht als um gut organisierte Veranstaltungen.

Der Günni-Moment
Es ging nicht darum, Neues zu erfinden, sondern den Kern freizulegen. So lautet das neu formulierte Selbstverständnis der MS Günther heute: „Wir zaubern Menschen ein Lächeln ins Gesicht.“ Und zwar vom ersten Schritt an Bord bis lange nach dem Anlegen. Daraus entstand der sogenannte Günni-­Moment. Nach Federico ist dieser erreicht, wenn drei Dinge zusammenkommen: Erstens ein „Damit habe ich nicht gerechnet!“, zweitens ein „Ich komme gerne wieder!“ und schließlich ein „Das empfehle ich weiter!“

Dieser Anspruch zeigt sich in vielen Details: von der Welcome-Box für Chartergäste bis zur Art, wie Service an Bord verstanden wird.
„Du sollst an Bord schon ein Lächeln bekommen, und es noch haben, wenn du wieder von Bord gehst“, sagt Federico.

Neuer Kurs auf bekanntem Gewässer
Die MS Günther ist heute eine Marke für sich, unabhängig von ihrer Geschichte. Sie richtet sich bewusst an Jung und Alt und verbindet bewährte Formate mit neuen Eventideen. Neben Klassikern wie der Grünkohlfahrt oder dem Gin Tasting gibt es gezielt neue Events, um auch ein jüngeres Publikum an Bord zu holen: so zum Beispiel gemeinsame Fahrten mit Sansetto und House-Beats oder Rave-Fahrten, bei denen im Sommer mitten am Tag über den Kanal geschippert wird.

Gleichzeitig bleiben Genussformate, Dinner-Abende und Themenfahrten fester Bestandteil des Programms. Über 50 verschiedene Veranstaltungsformate stehen mittlerweile im Programm – vom Weintasting über libanesische und italie­nische Abende bis hin zu kulinarischen Erlebnissen, bei denen, wie Federico sagt, „alles bereitsteht und man sich fürstlich verwöhnen lässt.“ Er erinnert sich, wie ein Gast kürzlich auf ihn zukam mit den Worten: „Ich hätte nie gedacht, dass wir hier so gut und so viel essen und trinken werden.“ Federico lacht, als er von seiner Antwort erzählt: „Aber das ist doch gut, denn dann hat es geschmeckt!“

Tagungsraum ohne festen Boden
Mit einem weiteren hartnäckigen Gerücht räumt der Ge­schäftsführer ebenfalls auf: „Es ist schlichtweg ein Mythos, dass alle Events bei uns vier Monate im Voraus ausgebucht sind.“ Zwar sei das Schiff insgesamt sehr gut ausgelastet, dennoch ergeben sich immer wieder kurzfristige Möglich­­kei­ten, die man online einsehen kann. „Wir fahren rund 500 Mal im Jahr, das wissen die wenigs­ten. Oft gibt es auch Resttickets oder neue Termine“, sagt er.

Federico blinzelt im Sonnenlicht, das durch die Fenster fällt, und spricht über den nächsten Schritt: Die MS Günther denkt den B2B-Bereich neu. Künftig soll auch unter der Woche vormittags geschippert werden – für Tagungen, Workshops oder Team-Events. „Warum soll man für Tagungen immer Räume mit vier Wänden und alten Filzstühlen buchen?“, fragt er. „Wir haben zwei Decks, Internet, Fernseher, Catering – auf dem Schiff ist alles für Business-Events da.“ Nur eben keine alten Filzstühle.

Ein Schiff, eine Crew
In der Geschäftsführung setzt Federico bewusst auf Beteili­gung aller Crewmitglieder statt Ansagen von oben. Die Crew wird mitgenommen, Ziele werden gemeinsam definiert und auch gemeinsam erreicht. „Wir legen ein Unternehmensbudget fest für den Fall, dass wir unsere gesteckten Ziele errei­chen. Wenn wir mehr erreichen, gibt es mehr Budget”, erklärt Federico. Eine Form der Motivation, die wirkt. Und ein Signal, das zeigt, dass das Potenzial der MS Günther nicht in einzelnen Entscheidungen liegt, sondern in den Menschen an Bord und der Crew.

Steuern statt Treibenlassen
Die Geschichte von 2015 gehört zur MS Günther und hat den Namen geprägt. Doch sie erklärt nicht, warum das Schiff heute so funktioniert, wie es funktioniert. Entscheidend ist das, was daraus entstanden ist: ein klares Selbstverständnis, neue Formate, eine bewusste Weiterentwicklung – immer mit dem gesamten Team im Boot. Und nicht zuletzt der Anspruch, Menschen an Bord mehr mitzugeben als nur eine schöne Fahrt. Oder wie Federico es sagen würde: Hauptsache, am Ende geht man mit einem Lächeln von Bord. Ein 116 Jahre altes Schiff, das zeigt, dass Zukunft nicht aus einem einzelnen ­Moment entsteht, sondern aus der Entscheidung, den Kurs kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Der Artikel ist in der "Gewerbeimmobilie aktuell", Ausgabe 30 von März 2026, erschienen. Wir bedanken uns bei Federico Stumps und dem Team der MS Günther für den Artikel. Mehr Infos über MS Günther finden Sie auf der Website: https://ms-guenther.de
Die MS Günther ist eine schwimmende Eventlocation im Münsteraner Hafen: ein Schiff für bis zu 130 Gäste, das an (fast) 365 Tagen im Jahr Event-, Genuss- und Ausflugsfahrten und viele weitere anbietet. Die MS Günther ist auch buchbar für private Feiern wie Hochzeiten oder Firmenevents.

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