Variowell


Silicon Valley am Campus Loddenheide

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Silicon Valley am Campus Loddenheide

Technologie und Schlafen – passt das zu­sammen? Bei Variowell in der Loddenheide geht es um nichts anderes als innovative Schlaftechnologien: Spezielle kühlende Komponenten für Matratzen oder Topper mit Anbindung an die Smartwatch und Steuerung per App – vieles, was man in Deutschland bis­her noch nicht so häufig gehört hat. Dabei ­gaben 80 % der Erwerbs­tätigen in Deutschland laut DAK-Gesundheitsreport aus dem Jahr 2017 an, regelmäßig schlecht zu schlafen.
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Die Reise in das Land der Träume
„Wenn ich einen blöden Tag habe, dann werde ich wahrscheinlich nicht gut schlafen. Aber wenn ich nicht gut schlafe, dann ist der nächste Tag auch daneben. Schlaf ist die Indikation für etwas, das falsch ist, aber auch die Basis dafür“, erklärt ­Tobias Kirchhoff, Founder von Variowell. Tobias’ Herz schlägt für den Schlaf. Ursprünglich kommt er aus einem von seinem Großvater gegründeten Bettwaren-Unternehmen, in dem seinerzeit auch Co-Founderin Daniela Kooijman gearbeitet hat. 2008 gründete das Unternehmerduo Variowell. „Das Thema Schlaf hat mich immer fasziniert. Das Thema Verkauf von Bettwaren an Fachhändler fande ich nicht so spannend. So gern ich auch im Familienunternehmen dabei war – ich wollte immer ein eigenes Unternehmen gründen“, erklärt Tobias die Erfüllung seines Traumes. Von den Anfangsideen der fest- und weichwerdenden Schaumstoffe bis zur Durchbruch-Idee war es eine aufregende Reise: Der Founder buchte sich damals ein Ticket nach Silicon Valley, flog kurzerhand nach Amerika und besuchte einen Kongress, um alles zum Thema digital health zu erfahren. Für viele unvorstellbar mutig, für Tobias war seine Reise ein ganz klarer Schritt.

Anders als in Deutschland wusste man im Land der Träume schon früh, dass Schlaf „the next big thing“ ist – denn guter Schlaf hat viel mit Gesundheit und Fitness zutun. Umso wichtiger ist es, sich um seine Schlafqualität zu kümmern. Das wusste auch ­Tobias schon damals und sah sich bestätigt: „Schlaf wird in ­Amerika anders gesehen. Da fühlte ich mich wohl. Das war meine Welt. Und ich sah, dass Schlaf als ­digitales Thema kommen wird.“ Im Silicon Valley lernte der Gründer eine ganz andere Menta­lität als in Deutschland kennen. Hier stießen seine Ideen auf großen Anklang. Der beste Beweis war die CES-Messe (Consumer Electronics Show) in Las Vegas: 2016 war ­Variowell dort erstmals neben 4.000 anderen Aus­stellern mit einem neun Quadratmeter großen Stand im Start-up-Bereich vertreten und Tobias weiß noch genau: „Wir wurden vom Wall Street Journal als eines der zehn besten Start-ups erwähnt.“

Eine Mütze voll Silicon Valley
Berührt hat Tobias in seiner Zeit im Silicon Valley nicht nur die Offenheit zum Thema Sleep Tech. Auch die Haltung zur Firmenkultur inspiriert das Gründerteam stark: „Vieles, was wir hier verwirklichen, auch was die Unternehmenswerte angeht, sind Erkenntnisse aus Silicon Valley“, erklärt Tobias die drei Säulen von Variowell – Interkulturalität, Wissenschaftsorientierung und Hierarchiefreiheit.

Dem Gründerduo ist es enorm wichtig, dass Menschen mit vielen verschiedenen kulturellen Hintergründen zusammen an einem Thema arbeiten können. „Wir sind ein Unternehmen in Deutschland, wir sind aber nicht das typisch deutsche Unternehmen. Zum Beispiel ist unsere Grundsprache hier Englisch“, erklärt Tobias die Wichtigkeit, alle Mitglieder ins Team zu involvieren. Anders als die Vorstellung von schaukelnden Mitarbeitern, die mit Spielzeugpistolen Pfeile auf Dartscheiben schießen, wird im Silicon Valley laut Tobias wirklich extrem hart – und extrem wissenschaftlich – gearbeitet: „Wenn man so eine pinke Watch hat, dann sieht die vielleicht witzig aus; und jeder würde sagen: ,Ja, der Designer geht morgens surfen und nachmittags macht er noch ein bisschen am Computer.’ Nein – im Silicon ­Valley sind alle um 6 Uhr auf! Dass die Dinge so gut ­funktionieren, ist kein Zufall.“ Und diesen Wissenschaftsansatz setzt auch Variowell um. Dadurch dass sich Variowell neu aufbaut, gibt es keine starren Strukturen aufzubrechen. So ­schaffen ­Daniela und Tobias mit Variowell einen hierarchiefreien Ort, der ihren Mitarbeitenden Raum zur Weiterentwicklung ermöglicht.

Harte Arbeit im sanften Büro-Kokon
In die Bürofläche am Campus Loddenheide hat sich das Gründerteam gleich verliebt. So sehr, dass sie die Fläche im komplett neu gebauten Bürogebäude als einer der ersten angemietet haben – 300 Quadratmeter zu fünft und weit und breit noch keine Nachbarn im Haus. „Ich habe diese Fläche so gemocht –“, lacht Tobias, „inzwischen sind wir 15 Teammitglieder – insofern ist es super, dass wir die Fläche jetzt haben.“ Wer sich fragt, ob Variowell im Büro einen Schlafraum hat, liegt – oder besser: lag – goldrichtig. Der büroeigene Schlafraum war eingerichtet, musste kürzlich jedoch aus dem erfreulichen Grund des Mitarbeiterwachstums weichen.

Auch die besondere Einrichtung sieht man in Büros nicht häufig: Ein kuschelweicher Langfloorteppich in Blau erzeugt eine unvergleichliche Gemütlichkeit. Ein harmonisches Farbspiel von Pastelltönen in der Mischung mit natürlichen Materialien wie Holz und Pflanzen, knalligem Blau und blankem Beton rundet das wohlige Ambiente ab. „Das sind hier wunderbare Büroräume: farbig, schön und gemütlich. Aber was wir hier machen, ist nicht gemütlich. Das ist echtes Geschäft“, erklärt Tobias. Ohne das wäre auch das Wachstum von etwa 30 bis 40 Prozent pro Jahr nicht zu erklären. Von der Fläche möchten sich Daniela und Tobias, auch wenn Variowell größer wird, nicht trennen: „Wir wachsen zwar, sind aber so zufrieden hier und möchten auf der Fläche bleiben, dass wir eher über Niederlassungen weiter wachsen, die wir von hier aus steuern – “, erzählt Tobias, „der Standort ist einfach perfekt – eine angenehme Atmosphäre, das Parkhaus vor der Tür.“

Die besondere moderne Arbeitsweise macht möglich, dass die Bürofläche auch in Zukunft ausreicht: „Man braucht keine ­Riesenteams, man braucht dynamisch-agile Teams.“ Konkret kann man sich das bei Variowell so vorstellen: Ein Teammitglied, das für drei Wochen nach Indien fliegt und von dort remote ­arbeitet, ein Team in Mexiko, das Labormessungen vornimmt, während Deutschland schläft, die Messdaten nach Münster schickt und das Team in Deutschland, welches die Daten dann morgens auswertet.
Das Gründerteam schätzt die Internationalität, denn durch sie ist rund um die Uhr irgendwo auf der Welt jemand wach: „Wenn die Neuseeländer schon antworten, antworten die aus San Francisco noch – und das hält natürlich auch ein Unternehmen lebendig“, lacht der Gründer.

Der Traum vom guten Schlaf
Und was kann diese Technologie genau? Tobias erklärt: „Das eine Thema ist: Auf Schaumstoffmatratzen schwitzt man leicht, man schläft zu warm. Die Schaumstoffindustrie weiß das, hat aber wenig Lösungen, die wirklich funktionieren.“ Und genau hier setzt eine Lösung von Variowell an: Bänder, die Matratzenhersteller während des Produktionsprozesses einkleben. Diese ziehen die Körperwärme zur Seite und ermöglichen einen angenehm kühlen Schlaf. Eine zweite Entwicklung bei Variowell ist eine Matratzenauflage für Endverbraucher, die smartwatchgebunden und durch eine App steuerbar ist. Hier kann der Durchfluss an thermischer Energie durch den Schaumstoff des Toppers gesteuert werden. „Das bauen wir wissenschaftlich auf – ich leite Arbeitsgruppen in den USA“, schildert Tobias das Vorgehen für den 2025 geplanten Markteintritt des Toppers.

Wer sich hierzulande fragt, wann er die Produkte kaufen kann, muss sich noch gedulden: „Der deutsche Markt ist auf der Liste weiter hinten. Wir haben offene Märkte in Asien und den USA – da starten wir natürlich dort“, erzählt Tobias und ­Daniela ergänzt: „Sleep Tech ist in anderen Märkten sehr viel weiter als hier – wir wollen es jedem ganz einfach, ohne hohe Kosten, zugänglich machen; und da sieht man eben in Amerika, dass dort bereits ganz andere Märkte sind, wo wir uns präsentieren können.“ Die Gewinner des CES-Awards 2024 im Bereich ­Digital Health freuen sich über den Zulauf auf den internationalen Märkten. Für 2025 ist der Markteintritt Richtung Korea geplant: „Der erste Markt für den Topper, der wärmend und kühlend wirkt, ist Korea. Da bauen wir jetzt auch eine Niederlassung auf – weil in Korea ein Wärmeunterbett zur Kultur gehört. Gleichzeitig ist Korea technisch sehr affin.“ Sobald das Produkt auf den europäischen Märkten angekommen ist, wird man es im Internet oder in den Stores, in denen die Watches verkauft ­werden, kaufen können. Bis dahin kann man sich im ­europäischen Markt zumindest als Test-User registrieren ­lassen.

Deutschland schläft noch eine Nacht drüber
Und warum ist der europäische Markt noch nicht so weit? Schlaf ist ein sensibles Thema; das wissen auch Daniela und Tobias. Das Schlafzimmer ist ein sehr persönlicher und geschützter Raum. Technik ist hier nicht unbedingt willkommen. Lange Zeit wurden Schlafdaten nur erhoben, wenn der Schlaf gestört oder krankhaft war. Tobias kennt das Problem: „Selbst die Schlafforschung weiß noch nicht einmal: Was ist guter Schlaf? Sie hat sich üblicherweise nur mit gestörtem Schlaf beschäftigt.“ Mit dem Berührungspunkt Digitalisierung und Schlaf entstehen nun auch Messdaten zum normalen Schlaf, das heißt, wie ein gesunder Mensch schläft. Diese neuen Schlafdaten können zu innovativen neuen Schlaftechnologien führen. In Sachen Schlafforschung zu gutem Normalschlaf waren die Amerikaner Vorreiter. Tobias weiß, dass man in Deutschland annimmt, die Schlafforschung und Finanzierung zum Thema guter Schlaf sei eine Aufgabe der Krankenkassen. Wer aber wirklich von der Schlafqualität profitiert, sind Arbeitgeber. Und das haben amerikanische Unternehmen laut dem Gründerduo bereits erkannt: „In Amerika sind es die Unternehmer, die sich für guten Schlaf ihrer Mitarbeiter interessieren. Warum? Sie haben einen unmittelbaren Return of Investment – es gibt Unternehmen, die Prämien für die Erhöhung der Schlafdauer zahlen. Weil guter Schlaf die Basis für alles ist. Warum sollen Arbeitgeber nicht da hereininvestieren?“ Hierzulande seien wir davon noch Jahrzehnte entfernt, prognostiziert Tobias.

Das wichtigste Ziel von Variowell ist es, die Schlaftechnologie zu revolutionieren, um guten Schlaf allen zugänglich zu machen. Aus diesem Grund fördert das Unternehmen auch andere Schlaf-Start-ups. „Wir wollen, dass das Thema Schlaf mit guten Produkten besetzt wird. Gute Produkte werden uns allen helfen. Schlechte werden uns allen schaden“, erklärt Tobias das Interesse an guten Produkten auf dem Markt.

Man spürt zwar einen gewissen Hauch Silicon Valley auf dem Campus auf der Loddenheide, so richtig vermutet man aber nicht, was hinter den Türen von Variowell auf einen wartet. Viel zu wenig fortgeschritten ist das Thema der Schlaftechnik in Deutschland. Wir freuen uns umso mehr darauf, wenn die Technologien auch in unseren Gefilden der Usus sind – und niemand mehr schweißgebadet aufwacht.
Der Artikel ist in der "Gewerbeimmobilie aktuell", Ausgabe 25 von Dezember 2024, erschienen. Wir bedanken uns bei Tobias Kirchhoff, Daniela Kooijman und dem Team für den Artikel. Mehr Infos über Variowell finden Sie auf der Website: https://variowell.com/
Variowell nutzt die Kraft der Wissenschaft, um intuitive Schlaftechnologie-Lösungen zu entwickeln, die die Art und Weise, wie Menschen schlafen und sich erholen, verändern. 

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